Betrug mit EC-Karten nimmt zu

18. Januar, 2008 No comments

Die Zahl der Betrügereien mit gestohlenen oder gefälschten EC-Karten hat sich in Deutschland 2007 fast verdoppelt. Wer mit einer Bankkunden-Karte einkaufen oder Geld abheben geht, kann sich aber durch zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen schützen. Von Januar bis Ende November wurden nach Erkenntnissen der Frankfurter Euro Kartensysteme GmbH in der Bundesrepublik fast 10 400 EC-Karten (im Fachjargon: Maesto-Karten) gefälscht. Das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. „Die Kriminellen verlagern sich zunehmend darauf, die Daten von Bankkunden auszuspähen und die Datensätze auf gefälschte Plastikkarten zu kopieren“, sagte Hans-Werner Niklasch, GF bei Euro Kartensysteme, der Süddeutschen Zeitung. Für die Betrüger habe dies den Vorteil, dass sie mit den gefälschten Karten im Ausland direkt an Bargeld gelangen könnten, ohne dass der Karteninhaber davon sofort etwas mitbekomme. „Dieser ist ja noch im Besitz seiner EC-Karte und merkt von dem Datenklau nichts, wenn er nicht ständig seine Kontoauszüge kontrolliert und nicht plausible Umsätze registriert“, sagte Niklasch. Im Inland verhindere dagegen ein spezielles Sicherheitssystem das Abheben von Bargeld mit gefälschten EC-Karten. Euro Kartensysteme ist eine Einrichtung der deutschen Kreditwirtschaft, die sich u.a. um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten kümmert. Nach Angaben von Niklasch versuchen die Betrüger besonders häufig, an stark frequentierten Bankautomaten wie in Fußgängerzonen oder an Bahnhöfen in den Besitz von Bankkunden-Daten zu kommen. Das Wochenende sei die bevorzugte Tatzeit. Wie die Verbraucherzentrale (VZ) NRW mitteilt, setzen die Kriminellen dabei auf verschiedene Tricks: So bringen sie einen Plastikaufsatz auf dem  Karteneinzugsschlitz an. Steckt der ahnungslose Kunde seine Karte in den Einzug, wird der Magnetstreifen der EC-Karte kopiert. Durch eine heimlich installierte Mini-Kamera über dem Automaten spähen die Täter dann die Geheimzahlen ihrer Opfer aus.

Andere Betrüger befestigten ein Imitat auf der echten Tastatur, so die Verbraucherzentrale NRW. Tippe der Kunde seine Pin (Geheimnummer) ein, werde sie unbemerkt gespeichert und per Funk direkt an die Täter weitergeleitet. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) rät deshalb, auf Auffälligkeiten bei Bankautomaten oder deren Umgebung zu achten und im Zweifelsfall das Abheben abzubrechen. Bankkunden sollten bei Eingabe der Pin das Tastenfeld stets mit der freien Hand verdecken. Keinesfalls sollten Kartenbesitzer ihre Pin an einem Türöffnersystem eingeben, weil dies von den Banken nicht verlangt werde. Der Gesamtschaden durch Kartenbetrug und Diebstahl von EC-Karten beläuft sich nach Angaben von Euro Kartensysteme in diesem Jahr wie 2006 auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Der Diebstahl von EC-Karten ging 2007 leicht zurück. Margit Schneider, Leiterin des Sicherheitsmanagements für Zahlungskarten bei Euro Kartensysteme, begründete dies mit der neu eingeführten einheitlichen Notrufnummer 116 zum Sperren der Karten: Auch Kriminelle hätten begriffen, dass Verbraucher sich damit schneller gegen missbräuchliche Verwendung geklauter Karten schützen könnten. Die Karten und ihre Daten seien jedoch oft mehrfach für kriminelle Geschäfte genutzt worden, so dass sich die Zahl der Betrugsfälle insgesamt erhöhte. „Früher ging man davon aus, dass ein Institut, wenn es einmal betroffen war, nicht mehr Ziel der Kriminellen wird. Das ist nicht mehr so: Die Trickdiebe sind findiger geworden“, sagte Schneider der Nachrichtenagentur dpa. Euro Kartensysteme registrierte bis Ende November insgesamt 727 Fälle, in denen mittels Manipulation an Geldautomaten oder Zahlungsterminals die Kartendaten von Kunden in Deutschland ausgespäht wurden. Im gesamten Vorjahr waren 753 Fälle bekannt geworden, 2005 genau 502. Besonders beliebt sind bei den Ganoven Geldautomaten: 405 dieser Geräte manipulierten die Kriminellen in Deutschland und spähten Kartendaten und Geheimnummern von Bankkunden aus. Die meisten der bundesweit mehr als 50 000 Geldautomaten blieben aber sicher. In Kaufhäusern und Geschäften gelangten Diebe seltener an die Geheimdaten von Bankkunden. In Singen in Baden-Württemberg waren Täter mit folgender Masche erfolgreich: Sie schleusten ein umgebautes Kartenlesegerät in ein Fachgeschäft, stahlen damit Daten erstellten dann Doubletten der Karten und hoben im Ausland Geld ab.

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